{"id":148,"date":"2013-04-05T14:59:41","date_gmt":"2013-04-05T12:59:41","guid":{"rendered":"http:\/\/gastronautischegesellschaft.org\/?p=148"},"modified":"2014-08-22T15:19:09","modified_gmt":"2014-08-22T13:19:09","slug":"148","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/?p=148","title":{"rendered":"Vom Foodporn zur Kabine"},"content":{"rendered":"<h3>Der Begriff Foodporn:<\/h3>\n<p>Foodporn bezeichnet die glorifizierende Darstellung von Lebensmitteln in Werbung und vorallem in sozialen Medien. Wie beim Porno ist eine gewisse \u00dcbernat\u00fcrlichkeit oder Nichterreichbarkeit f\u00fcr den normalen Menschen existentieller Bestandteil der Food Pics. Die unmittelbare Lust, das Dargestellte auch haben zu wollen, soll hervorgerufen werden. Dies gekoppelt mit Neid auf den Fotografen, der, zumindest im Bereich der Sozialen Medien, Besitzer der Ware war. Eine Provokation des Betrachters findet satt, wobei gleichzeitig der Status des Vermittlers erh\u00f6ht wird.<\/p>\n<p>Wie beim herk\u00f6mmlichen Porno, hat der Food Porn die Qualit\u00e4t, dass das Bildmaterial, zumindest in unmittelbarere Zukunft, nicht verf\u00fcgbar ist. Sei es aus finanzellen Gr\u00fcnden, wegen technischer Unf\u00e4higkeit, weil die ben\u00f6tigten Zutaten nicht verf\u00fcgbar sind oder weil aus di\u00e4tmoralischer Sicht das Gezeigte nicht in Frage kommt.<\/p>\n<p>Der Begriff Food Porn scheint erstmals von der Feministin Rosalind Coward 1984 in ihrem Buch Female Desire erw\u00e4hnt worden zu sein. Sie Schreibt: \u201eCooking food and presenting it beautifully is an act of servitude. It is a way of expressing affection through a gift&#8230; That we should aspire to produce perfectly finished and presented food is a symbol of a willing and enjoyable participation in servicing others. Food pornography exactly sustains these meanings relating to the preparation of food. The kinds of picture used always repress the process of production of a meal. They are always beautifully lit, often touched up.\u201c (s. 103)<\/p>\n<p>\u201eIm Food Porn spiegeln sich aktuelle Trends: der Hang zu einer idealisierten Dokumentation der Realit\u00e4t, die als Ersatz f\u00fcr die Realit\u00e4t dient und mehr verspricht, als die Realit\u00e4t selbst halten kann\u201c, erkl\u00e4rt Okke Schl\u00fcter, Professor f\u00fcr Mediapublishing an der Stuttgarter Hochschule f\u00fcr Medien. \u201eDie Fotos von Hobbyk\u00f6chen resultieren aus den technischen M\u00f6glichkeiten der Verbreitung, sind aber auch dem Bed\u00fcrfnis der Nutzer geschuldet, sich \u00fcber eigene Beitr\u00e4ge zu pr\u00e4sentieren, bisweilen zu profilieren\u201c, so der Medienexperte weiter.<\/p>\n<p>\u201eAll deine k\u00f6stlichen Tr\u00e4ume und verbotenen Fantasien werden hier erf\u00fcllt\u201c \u2013 Das verspricht der US-amerikanische Blog Foodporn.com. Unter der Subkategorie \u201eAmateur\u201c verbergen sich Bilder von Selbstgekochtem, unter \u201eTable Dance\u201c, die Lieblingslokale von Bloggerin Chantrelle. Klickt man auf \u201eHardcore\u201c landet man bei Pilzfotos und Rezepten f\u00fcr Pilzgerichte. \u201eHardcore daran ist, dass wir die Pilze selber sammeln\u201c, erkl\u00e4rt Chantrelle auf ihrem Blog \u201cund das ist in Kalifornien fast \u00fcberall verboten.\u201d<\/p>\n<h3>Die Kabine<\/h3>\n<p>Die Food Porn Cabin ist eine Kabine in der Gr\u00f6sse einer Telefonzelle. Elegant ist sie mit rotem Leder ausgekleidet, ein Samtvorhang sorgt f\u00fcr Diskretion. Im Innern ist ein h\u00f6henverstellbarer Hocker angebracht, an der seitlichen Wand h\u00e4ngt ein Taschentuchspender, in Mundh\u00f6he prangt ein Bildschirm. Der Bildschirm zeigt lustvoll in Szene gesetzte Lebensmittel. Vor dem Bildschirm ragt ein roter Buzzer aus dem Boden. Der Duft von Geb\u00e4ck liegt in der Luft, daf\u00fcr sorgt ein unsichtbarer Duftspender.<\/p>\n<p>Gef\u00e4llt dem Voyeur ein Bild besonders gut, kann er dies mittels Dr\u00fccken auf den roten Knopf zum Ausdruck bringen: Ein Lustger\u00e4usch ert\u00f6nt, auch von Aussen ist es zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick wird mit der Food Porn Kabine das Ph\u00e4nomen Foodporn stigmatisiert. Die Esswaren werden zu einer reinen Formsache erkl\u00e4rt, die, wie auf Facebook, mit einem Button gelobt werden k\u00f6nnen oder eben nicht. Als Benutzer muss man dazu Stellung beziehen, in dem man ein Ger\u00e4usch erzeugt, welches von Aussen h\u00f6rbar ist. Ist kein Ger\u00e4usch zu vernehmen, kann es sein, das man als Langweilig empfunden wird, h\u00f6rt man von Aussen ein St\u00f6hnen ist man allenfalls Obsz\u00f6n?<\/p>\n<p>Die einzige M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Betrachter, sich einer Wertung eines anderen Betrachters zu entziehen, liegt darin, die Kabine erst gar nicht zu Betreten. Dann allerdings weiss man auch nicht was darin passiert. Wie bei Facebook. Und auch das ist ein Statement.<\/p>\n<p>Ein Abfalleimer fehlt in der Kabine. Nach dem Dr\u00fccken des Buzzers, ist die Neugier jedoch gross, zu erfahren, ob beim Beziehen eines Taschentuchs ebenfalls eine Reaktion des Objekts ausgel\u00f6st wird. Dies ist nicht der Fall. Wieder ist der Insasse gezwungen ein direktes oder indirektes Statement abzugeben. Entweder, er schmeisst das Taschentuch auf den Boden und \u00fcberl\u00e4sst so dem n\u00e4chsten Benutzer die Frage ob daran wohl wirklich Speichel klebt oder er verl\u00e4sst mit dem Taschentuch in der Hand die Kabine und wird zum l\u00fcsternen Konsumenten. Oder er versteckt das Taschentuch in seiner Tasche und verheimlicht sein Handeln gegen\u00fcber Aussenstehenden, wird aber sp\u00e4ter, wenn er das Taschentuch wieder findet, mit seiner Scham konfrontiert.<\/p>\n<p>\u00bbWenn alle K\u00fcnste untergehen, die edle Kochkunst bleibt bestehen\u00ab, stickt Daniel Spoerri auf ein K\u00fcchentuch. Ob er damit Food Porn meint und eine konservistische Art des Bestehens. Oder ist es der feste Glaube daran, dass die Leute immer weiter kochen werden, solange wie sie sich fortpflanzen. Ob vielleicht gerade das lustvolle Betrachten zu einem neuen Umgang mit einem Medium f\u00fchrt: Ging nicht auch mit dem entstehen der Pornoindustrie die sexuelle Revolution einher?<\/p>\n<p>Auf den zweiten Blick, findet in und um die Food Porn Cabin ein digitale Verdauung statt: Was bedeutet es, muss man sich bei genauerem Nachdenken fragen, dass ich hier in einer Kabine sitze, die Essen zeigt, welches, bevor es auf diesem Bildschirm gelandet ist, von einer Digitalcamera fotografiert wurde, danach auf Facebook publiziert worden ist um abschliessend wieder aus dem Internet heruntergeladen zu werden, damit ich jetzt hier dazu angeregt werde ein konserviertes Ger\u00e4usch des Wohlbefindens mittels eines roten Knopfes auszul\u00f6sen? Wie oft wurde dieses Bild wohl schon verdaut? Wie viele Dickd\u00e4rme kann das Internet haben? Was wenn ich der Blinddarm bin? Hat das Internet Verdauungsgase?<\/p>\n<p>Hier gehts zu den Bildern<\/p>\nFolge uns:<br\/><a class=\"synved-social-button synved-social-button-follow synved-social-size-24 synved-social-resolution-single synved-social-provider-facebook nolightbox\" data-provider=\"facebook\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Follow us on Facebook\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/internationale.gastronautischegesellschaft\" style=\"font-size: 0px; width:24px;height:24px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px;\"><img alt=\"Facebook\" title=\"Follow us on Facebook\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-follow\" width=\"24\" height=\"24\" style=\"display: inline; width:24px;height:24px; margin: 0; padding: 0; border: none; box-shadow: none;\" src=\"https:\/\/kemibigo.cyon.site\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/48x48\/facebook.png\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-follow synved-social-size-24 synved-social-resolution-single synved-social-provider-twitter nolightbox\" data-provider=\"twitter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Follow us on Twitter\" href=\"https:\/\/twitter.com\/gastronautische\" style=\"font-size: 0px; width:24px;height:24px;margin:0;margin-bottom:5px;margin-right:5px;\"><img alt=\"twitter\" title=\"Follow us on Twitter\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-follow\" width=\"24\" height=\"24\" style=\"display: inline; width:24px;height:24px; margin: 0; padding: 0; border: none; box-shadow: none;\" src=\"https:\/\/kemibigo.cyon.site\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/48x48\/twitter.png\" \/><\/a><a class=\"synved-social-button synved-social-button-follow synved-social-size-24 synved-social-resolution-single synved-social-provider-youtube nolightbox\" data-provider=\"youtube\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\" title=\"Find us on YouTube\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/user\/gastronautische\" style=\"font-size: 0px; width:24px;height:24px;margin:0;margin-bottom:5px;\"><img alt=\"youtube\" title=\"Find us on YouTube\" class=\"synved-share-image synved-social-image synved-social-image-follow\" width=\"24\" height=\"24\" style=\"display: inline; width:24px;height:24px; margin: 0; padding: 0; border: none; box-shadow: none;\" src=\"https:\/\/kemibigo.cyon.site\/wp-content\/plugins\/social-media-feather\/synved-social\/image\/social\/regular\/48x48\/youtube.png\" \/><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff Foodporn: Foodporn bezeichnet die glorifizierende Darstellung von Lebensmitteln in Werbung und vorallem in sozialen Medien. Wie beim Porno ist eine gewisse \u00dcbernat\u00fcrlichkeit oder Nichterreichbarkeit f\u00fcr den normalen Menschen existentieller Bestandteil der Food Pics. Die unmittelbare Lust, das Dargestellte auch haben zu wollen, soll hervorgerufen werden. Dies gekoppelt mit Neid auf den Fotografen, der, [&hellip;]<\/p>\n<a href=\"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/?p=148\"> WEITER LESEN<\/a>","protected":false},"author":1,"featured_media":344,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[18],"tags":[47,64,65],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=148"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":486,"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/148\/revisions\/486"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/344"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.gastronautischegesellschaft.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}